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Ein welkes Blatt

Ein welkes Blatt – und jedermann weiß: Herbst.
Fröstelnd klirren die Fenster zur Nacht.
O grüne Welt, wie grell du dich verfärbst!

Schon raschelt der Winter im Laube.
Und die Vögel haben, husch, sich aus dem Staube
Gemacht.

Wie letzte Früchte fielen ihre Lieder vom Baum.
Nun haust der Wind in den Zweigen.

Die Alten im Park, sie neigen
Das Haupt noch tiefer. Und auch die Liebenden
Schweigen.

Bald sind alle Boote im Hafen.
Die Schwäne am Weiher schlafen
Im Nebellicht.

Sommer – entflogener Traum!
Und Frühling – welch sagenhaft fernes Gerücht!

Ein welkes Blatt treibt still im weiten Raum,
Und alle wissen: Herbst.

MASCHA KALÉKO


Verzweifle niemals

Die Tage vergehen wie das im Wind 
fliegende Herbstlaub und die
Tage kehren wieder
mit dem reinen Himmel und
der Pracht der Wälder.
Aufs Neue wird jedes Samenkorn erweckt, 
genauso verläuft  das Leben

Indianische Weisheit

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Jüdisches Gebet


Beim Aufgang der Sonne und bei
ihrem Untergang erinnern wir uns an sie;
beim Wehen des Windes und in der
Kälte des Winters erinnern wir uns an sie;
beim Öffnen der Knospen und in der
Wärme des Sommers erinnern wir uns an sie;
beim Rauschen der Blätter und in der
Schönheit des Herbstes erinnern wir uns an sie;
zu Beginn des Jahres und wenn es
zu Ende geht erinnern wir uns an sie;
wenn wir müde sind und Kraft brauchen
erinnern wir uns an sie;
wenn wir verloren sind und krank
in unserem Herzen erinnern wir uns an sie;
wenn wir Freude erleben, die wir so gern teilen würden erinnern wir uns an sie;
so lange wir leben werden sie auch leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

Inspirationen für die Rauhnächte

 

Ich will still werden

und wage zuträumen

von glücklichen Menschen,

fördernden Beziehungen,

erfülltem Leben.

Ich will still werden

und spüre tief in mir

ungeahnte Möglichkeiten,

Wünsche und Bedürfnisse,

die Freude am Leben.

Ich will still werden

und lerne ja sagen:

ja zu meinen Visionen,

ja zu meinen Grenzen,

ja zu meinem Weg.

Ich will still werden

und Leben fördern:

das Feine wahrnehmen,

das Zarte schützen,

das Kleine wachsen lassen.

Max Feigenwinter

(Aus: "Einander Engel sein")

Schneeflocke
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